Wissen
Stichwort
Geschichte des Rhönradturnens
Otto Feick, Bindungen
Disziplinen
Chronik Deutsche Meisterschaften
Übersicht Deutsche Meister im Rhönradturnen - 1960 bis heute
Jahr Ort
1960 Hannover
1961 nicht ausgetragen
1962 Berlin
1963 nicht ausgetragen
1964 Nürnberg
1965 Finnentrop
1966 Frankfurt am Main
1967 Würzburg
1968 Berlin
1969 Schwenningen
1970 Wiesbaden
1971 Nürnberg
1972 Olpe
1973 Stuttgart
1974 Berlin
1975 Schwaigern
1976 Bensberg
1977 Taunusstein
1978 Hannover
1979 Freilassing
1980 Aschaffenburg
1981 Bensberg
1982 Dermbach
1983 Frankfurt am Main
1984 Finnentrop
1985 Beilstein
1986 Taunusstein
1987 Berlin
1988 Mönchengladbach
1989 Trier
1990 Dortmund
1991 Celle
1992 Wirges
1993 Stolberg
1994 Hamburg
1995 Essen
1996 Flensburg
1997 Fallersleben
1998 München
1999 Ansbach
2000 Bad Neustadt/Saale
2001 Ansbach
2002 Leipzig
2003 Geislingen
2004 Neumarkt
2005 Berlin
2006 Bad Neustadt/Saale
2007 Wuppertal
2008 Düsseldorf
2009 Frankfurt am Main
2010 Essen
2011 Rimpar
 
Quelle: Franz Obry
Geschichte des Rhönradturnens

In der Zeit während der Besetzung des Ruhrgebiets nach dem 1. Weltkrieg kam der Pfälzer Otto Feick, ein Eisenbahner, ins Gefängnis. In der Zelle erinnerte er sich eines Erlebnisses aus seiner Kinderzeit, bei dem er mit zwei zusammengebundenen Fassreifen einen Abhang hinunter rollte....

Noch in der Haft entwickelte Feick den Plan, aus diesem Kindertraum ein Turngerät zu entwickeln. Nach seiner Haft zog es ihn in die Heimat seiner Frau, nach Schönau a.d. Brend in die Rhön.

Er eröffnete dort eine Metallverarbeitungswerkstatt und entwickelte 1925 das Turnrad, welches er aus Dank an seine neue Heimat "Rhönrad" nannte. Noch im gleichen Jahr meldete er da Rhönrad zum Patent an und ließ es in 30 Staaten schützen. Anfang 1926 führte er das Rhönrad in der Deutschen Hochschule für Leibesübungen im Sportforum Berlin vor.

Das Rhönrad rollt in die Welt...

Danach kam es zu Präsentationen in England, Frankreich und den USA durch eine Gruppe ausgewählter Sportler unter der Leitung Otto Feicks. Das erste internationale Rhönradturnier fand 1930 in Bad Kissingen statt, das die Grundlage für die internationalen Wettbewerbe im Rhönradturnen legen sollte. Höhepunkt war die Teilnahme von 120 Rhönradturnern 1936 im Rahmen der Olympischen Spiele. Durch den 2. Weltkrieg kam das Rhönradturnen vollkommen zum Erliegen. Damit endete der erste Abschnitt in einer neuen Sportart.

Der Beginn des zweiten Abschnittes setzt mit dem langsamen und schwierigen Aufbau nach dem zweiten Weltkrieg ein und findet mit der Präsentation als Wettbewerb beim Deutschen Turnfest 1958 in München und 1959 mit der Aufnahme als Turnsportart in den Deutschen Turnerbund eine neue Basis. 1960 finden die ersten Deutschen Meisterschaften in Hannover statt, auf die in den kommenden Jahrzehnten der Wettkampfbetrieb in Deutschland auf alle Startklassen des Turnens ausgebaut wird. 

Die Verbreitung erfolgt sehr langsam aber dafür stetig. International wurde die Gymnaestrada 1982 in Zürich sowie 1987 in Herning (Dänemark) zur Basis für die internationale Rhönradarbeit. Die DTB-Schauturngruppe-Rhönrad erregte mit ihren sehr modernen Choreographien sehr viel Aufsehen und Interesse an dieser alten/neuen Sportart, so dass Kontakte nach Israel, Japan und sehr vielen europäischen Ländern 1990 zur Austragung des ersten Europacup im Rhönradturnen in Taunusstein führten.
1992 wurde bereits die erste Europameisterschaft in Liestal (Basel) in der Schweiz ausgetragen. 

Nach der Gründung des internationalen Rhönradverbandes 1995 wurden die ersten Weltmeisterschaften in Den Helder (Niederlande) ausgetragen. Seitdem organisiert der IRV alle zwei Jahre Weltmeisterschaften und im Zwischenjahr einen internationalen Lehrgang. Seit 2002 findet alle zwei Jahre auch der Worl-Team-Cup statt.

  • Geradeturnen
  • Spiraleturnen
  • Sprung
  • Bindungen

Das Rhönrad bewegt sich rollend auf beiden Reifen. Der Turner befindet sich dabei im Rad und bestimmt durch Körperverlagerung die Bewegungsrichtung. Beim Geradeturnen unterscheidet man zwischen zentralen und dezentralen Übungen. Bei den zentralen Elementen befindet sich der Turner überwiegend im Radmittelpunkt, während er sich bei den dezentralen Elementen überwiegend außerhalb des Radzentrums befindet, wodurch eine besondere Schwungwirkung erzielt wird. Bei dieser Disziplin unterscheidet man zwischen A-, B-, C- und D-Teilen (Höchstschwierigkeitsteile), die innerhalb einer vorgeschriebenen Anzahl von Bahnen (eine Bahn entspricht drei Radumdrehungen) geturnt werden müssen.

Beim Geradeturnen mit Musik versuchen die Turner, die Musik durch ihre Bewegungen zu interpretieren. Daher werden die Ausführungs- und Haltungsvorschriften des "traditionellen" Geradeturnens variiert: Die Körperhaltung (Arme, Beine, ...) ist weitgehend freigestellt, Radstillstand und Zwischenschwünge sind erlaubt, die Anzahl der Bahnen ist nicht beschränkt. Der Aktive kann seine Kür in Harmonie zur Musik weitgehend frei "gestalten".

Die Fläche beim Geradeturnen ist 3m x 23m (plus Sicherheitszone) groß.

Beim Spiraleturnen bewegt sich das Rhönrad kreisförmig auf einem Reifen. Durch entsprechende Körperverlagerung hält der Turner das Rad auf der Kreisbahn und führt dabei verschiedene Übungen aus, die in einem Schwierigkeitskatalog in A-, B-, C- und D-Teile eingeteilt sind. Man unterscheidet zwischen der "Grossen Spirale", bei der der Neigungswinkel des Rhönrades über 60° liegen muß, und der "Kleinen Spirale", bei der der Neigungswinkel des Rades unter 30° liegen muß. Beide Spiralearten sind in den Übungen vorgeschrieben. Die Fläche beim Spiraleturnen ist 13m x 13m (plus Sicherheitszone) groß.
Beim Sprung setzt der Turner das Rad von außen in Bewegung. Nach einem schnellen Anlauf und dynamischen Absprung gelangt der Turner auf das Rhönrad und erreicht durch kräftigen Abdruck bzw. Absprung eine Flugphase, um am Ende sicher auf der Matte zu landen. Man unterscheidet verschiedene Sprungarten (Salti, Überschläge, ...), die entsprechend ihrer Schwierigkeit eine unterschiedliche Höchstnote haben.
Die für einige Übungen sowohl im Gerade- als auch im Spiraleturnen benötigten Bindungen bestehen aus zwei ca. 60 cm langen, 3 cm breiten und ca. 0,4 cm dicken Lederriemen. Sie sind an den Fußauflageflächen gepolstert und durch Schnallen auf die Fußdicke einstellbar.